Zeitfelder – Time Fields / 2026
Interventionen mit dem Konzept des Verhüllens, Verpackens und Vergrabens der toxischen Skulpturen im Schaudepot der Zitadelle Spandau (in Zusammenarbeit mit Pfelder)
Zeitfelder – Time Fields, Schaudepot Bastion Königin, Zitadelle Spandau, Berlin, D / 2026 / Kuratorinnen: Dr. Urte Evert
zitadelle-berlin.de

Sieben historische Originalskulpturen, Kistensperrholz, Latten, Schrauben, Beschriftungen, giftige Pflanzen, Muttererde, Aktivboxen, Mediaplayer, Bewegungsmelder, Licht, Strom- und Audiokabel, Filz

Die Interventionen von Simone Zaugg und Pfelder verfolgen das Konzept des Verhüllens, Verpackens und teilweise Eingrabens sogenannter toxischer Skulpturen und bilden so einen Gegenpol zur Ausstellung „Enthüllt“ im Nachbargebäude. Dadurch wird der Fokus von der rein visuellen Wahrnehmung auf andere Sinne wie Hören, Tasten und Riechen verschoben. Die einheitlich gestalteten Holzkisten greifen die Idee des Depots als Übergangsraum auf und verweisen zugleich auf die bewegte Geschichte und die Reisen der Objekte und deren Urheber. Durch die vielschichtigen Installationen werden historische und politische Kontexte sinnlich erfahrbar gemacht und die Denkmäler werden in gewisser Weise durch die künstlerischen Eingriffe aus ihrer Zeit befreit, um sie zeitlos im Heute und im aktuellen Kontext zu verstehen und daraus zu lernen.

Drei wohlproportionierten Holzkisten, die an urban gardening und Hochbeetkulturen erinnern könnten, zeigen farblich, ästhetisch und botanisch gestaltete Arrangements. Unter den drei wunderschönen Mini-Gärten aus hochgiftigen Pflanzen liegen toxische Marmorbüsten, eine von Hitler und zwei weitere aus der Werkstatt von Arno Breker. Bei der größten Kiste, in der das eine der zwei bronzenen „Hitlers Horses“ von Thorak verpackt ist, erinnern drei Löcher sowie die akustische Wucht eines galoppierenden Pferdes daran, dass die „Geschichte“ wieder ausbrechen könnte. Durch das Aufschieben zwei kleiner Türchen kann das Publikum vorne und hinten an einer weiteren Transportkiste zwei Herren aus der wilheminischen Zeit für einen kurzen Moment die Zeit und das Licht zurückgeben. Im letzten Raum sehen wir eine schwarze, nackte Frau, die wie eine Nixe da sitzt. Ihre Schultern tragen eine Kiste. Oder ist es hier eher eine Prothese? Greift man hinein, begreift man, dass der Skulptur der Kopf abgeschlagen wurde.

zurück nächste Seite